Höhlentour im Elbsandstein-Gebirge

Der Frühling hält langsam Einzug und statt Wellness an der Ostsee, geht es wieder raus, um ein paar kleine Abenteuer zu erleben. Obwohl es diesmal schon ein etwas größeres Abenteuer ist. Es geht zum Höhlenklettern ins Elbsandstein-Gebirge. Die Begehung einer Höhle geistert mir ja schon seit einigen Jahren immer mal wieder durch den Kopf, doch ist es bisher noch nicht dazu gekommen. Man findet kaum Informationen zu begehbaren Höhlen und ganz ungefährlich ist dies ja auch nicht.

Als ich dann neulich im Programm des AlpinClub Berlin, auf einen entsprechenden Kurs gestoßen bin, stand für mich recht schnell fest, dass ich daran teilnehmen möchte. Nadine war von der Idee auch gleich begeistert und so haben wir uns für den 3tägigen Kurs angemeldet. Entsprechende Informationen zu Ausrüstung und Vorkenntnissen, bekamen wir dann von unserem Tourguide Ronny. Er betreibt seine eigene Outdoor-Event Agentur „Natural Touring“ und gibt außerdem auch Kurse beim Deutschen Alpenverein. Was wir selber an Ausrüstung nicht mitbringen konnten, wurde gestellt. Da das Wetter sehr schön werden soll, hatte Ronny noch vorgeschlagen, die Kletterausrüstung mitzubringen, um bei Gelegenheit noch den ein oder anderen Gipfel zu erklimmen. Somit stand dem Abenteuer nichts mehr im Wege.

Tag 1 (Freitag 1. April)

Die am Vorabend verpackte Ausrüstung liegt bereit und wartet nur noch darauf, im Auto verstaut zu werden. Es ist Freitag früh und wir machen uns auf den Weg ins Elbsandstein-Gebirge. Am Bahnhof Schönefeld sammeln wir noch Daniel, einen weiteren Kursteilnehmer, ein und zu dritt geht es weiter. Wir sind schon ziemlich gespannt, was uns denn die nächsten Tage eigentlich genau erwartet, ist es doch für uns der erste Trip dieser Art. Die Fahrt verläuft recht zügig und so treffen wir pünktlich um 13:00 Uhr, zum vereinbarten Zeitpunkt, in der Burg Hohnstein ein. Diese wird für die nächsten Tage unsere Basis sein. Hier warten bereits Kim, Ronny und Martin, die kurz vor uns eingetroffen sind. Nach dem Kennenlernen beziehen wir die Zimmer, besprechen noch kurz den Ablauf der nächsten Tage und schon geht es los. Bei Schmilka überqueren wir die Grenze nach Tschechien, wo wir dann auf das letzte Mitglied des Kurses, eine weitere Nadine, stoßen. Endlich vollzählig begeben wir uns zu unserer ersten Höhle.

Anfangs sind wir noch auf recht guten Wegen unterwegs, was sich jedoch schnell ändert. Das Gelände wird steiler und den Pfad kann man mehr erahnen, statt sehen. Allerdings werden wir rasch mit einer tollen Aussicht, auf die Elbe und die umliegenden Berge, belohnt. Und nach gut 10 Minuten sind wir da. Endlich, die erste Höhle die ich befahren werde, wie man so schön sagt. Jetzt bin ich doch ganz schön aufgeregt und ich denke, es geht nicht nur mir so. Die „Freundschafts-Höhle“ ist für den Anfang sehr gut geeignet, da nicht ganz so eng und auch nicht allzu groß. Aber trotzdem schon verdammt dunkel, wenn man die Stirnlampen ausschaltet. Von natürlichem Licht gibt es hier unten keine Spur mehr, sondern nur reine Finsternis.

Hier unten kommt mir jegliches Gespür für Zeit abhanden und ich kann gar nicht mal sagen, wie lange wir uns in dieser Höhle aufhalten. Aber der Abend ist noch jung und es bleibt genügend Zeit, für eine weitere Höhle, bzw. ein kleines Höhlensystem. Da wir uns in den „Schacht am Turm“ abseilen werden, legen wir alle unsere Klettergurte an und holen die Abseilgeräte hervor. Für diejenigen in der Gruppe, die sich vorher noch nie abgeseilt haben, gibt es eine kurze praktische Einführung, in einfachem Gelände, wo nichts passieren kann. Außerdem besprechen wir, dass zur Sicherheit bei jedem immer einer unten am Seil steht und notfalls Sichern kann. Ich habe mich ja schon des öfteren von Bergen abgeseilt, aber in einer Höhle hat dies noch mal einen ganz besonderen Reiz.

Vom „Schacht am Turm“ kriechen wir weiter in die „Damenhöhle“ und von dort aus weiter zur „Naturfreundehöhle“. Und jetzt ist auch wirklich kriechen angesagt. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, durch was für enge Schächte man sich zwängen kann. Angst vor Enge und Dunkelheit darf man hier jedenfalls nicht haben. Und auch nicht vor Fledermäusen. Diese hängen hier vereinzelt, oder in ganzen Bündeln von der Decke und lassen sich von uns nicht weiter stören.

Nach kurzer Zeit habe ich hier unten die Orientierung vollkommen verloren und würde wohl eine ganze Weile brauchen, um den richtigen Weg wieder ans Tageslicht zu finden. Auf einmal sieht alles gleich aus und ich bin mir nie sicher, aus welchem der Schächte wir kurz vorher gekommen sind. Doch zum Glück haben wir Ronny dabei, der uns alle wieder heil aus der Höhle raus führt. Was für ein Abenteuer, gleich am ersten Tag.

Als wir wieder bei den Autos ankommen, ist es bereits dunkel und Ronny schlägt noch ein gemütliches, tschechisches Lokal vor, wo wir lecker essen gehen. Da ich noch fahren muss, bleibt mir leider das gute böhmische Bier versagt. Naja, man kann halt nicht Alles haben. Zurück in der Burg Hohnstein, trifft sich der Großteil von uns noch auf ein Glas Wein und wir lassen den Tag mit Geschichten und Rückblicken ausklingen.

Tag 2 (Samstag 2. April)

Nach dem Frühstück treffen wir uns im Burghof und üben an einer der Burgmauern, welche fürs Klettern präpariert ist, das Aufsteigen am Seil. Dies hatte ich vor einigen Jahren schon mal, mit nur 2 Prusikschlingen, versucht und bin dabei grandios gescheitert. Mit der entsprechenden Ausrüstung und ein wenig Übung, ist es allerdings gar nicht so schwer.

Gegen Mittag stehen wir vor dem Eingang der heutigen Höhle und legen wieder unsere Ausrüstung zum Abseilen an. Nachdem ich mich durch ein recht schmales Loch hinablasse, erschließt sich mir der Anblick einer riesigen Höhle, in die es gut 20 Meter hinab geht. Unten angekommen, binde ich mich aus dem Seil aus und warte auf die Nachkommenden. Auch heute heißt es wieder, sich durch enge Gänge zu quetschen, allerdings mit dem Unterschied, dass Ronny sich etwas mehr zurückhält und uns anspornt, den richtigen Weg erst mal alleine zu finden. Die größte Herausforderung für mich ist, sich einen Schacht, ohne mit Händen oder Füßen abzustützen, hinab rutschen zu lassen. Doch nach einiger Zeit überwinde ich meine Zweifel und gleite recht langsam das Loch runter. Nach einer gefühlten Ewigkeit, es waren aber gerade mal 45 Minuten, verlassen wir die Höhle durch einen anderen Ausgang und erblicken wieder das Tageslicht.

Über einen weiteren Zugang betreten wir das Höhlensystem ein weiteres Mal. Obwohl von Betreten diesmal wirklich nicht die Rede sein kann. Durch einen sehr engen Spalt im Boden, schieben wir uns rückwärts in einen kleinen Raum. Ronny geht diesmal voran und befestigt im Inneren ein Seil, an dem wir uns ablassen werden. Ich krieche als zweiter nach und bekomme einmal kurz Panik, als es weder vor noch zurück geht. Jetzt heißt es kurz Durchatmen und wieder beruhigen. Irgendwann habe ich es doch geschafft und binde mich ins Seil ein.

Ich lasse mich immer tiefer in die Höhle ab, wobei ich zwischenzeitlich auf kleineren Flächen stehen kann. Zum Glück auch, denn mit einem Mal ist das Seil zu Ende und der Gang führt noch ein ganzes Stück nach unten. Also mache ich es mir auf einem kleinen Vorsprung gemütlich und harre der Dinge die noch kommen. Bis sich der nächste am Seil ablässt, vergehen mehrere Minuten, in denen ich unten in der Finsternis der Höhle komplett alleine bin. Und ich ertappe mich, wie mir immer wieder merkwürdige Gedanken, wie „Was ist wenn ich nicht mehr rauskomme?“ durch den Kopf spuken. Doch irgendwann sind alle an der Stelle angekommen und Ronny bringt als Letzter das Seil mit. Dieses wird hier wieder befestigt und weiter geht’s. Zum Glück 🙂

Nach kurzer Zeit stehen wir an der Stelle, an der wir uns am Anfang die 20 Meter abgeseilt hatten. An einem hier vorbereiteten Seil heißt es diesmal aufsteigen, was wir ja Vormittags erst geübt hatten.

Da das Wetter hervorragend ist und es noch eine Weile hell bleiben wird, beschließen wir, den restlichen Abend Klettern zu gehen. Gesagt – getan. Ronny kennt sich hier in der Gegend sehr gut aus und schon bald klettern wir wieder, diesmal jedoch über der Erde. Von den Gipfeln haben wir einen wunderbaren Blick über die Landschaft. Vor uns liegen weitere Felsen, Täler und etwas weiter weg, fließt die Elbe dem Meer entgegen. So genießen wir den Sonnenuntergang und ich bin einfach nur glücklich, hier zu sein.

Tag 3 (Sonntag 3. April)

Es ist Sonntag und somit der letzte Tag unseres kleinen Abenteuers. Wir verstauen all unsere Sachen wieder im Auto und machen uns auf den Weg, zur letzten Höhle. Unterwegs holen wir noch Sina vom Bahnhof ab, die sich für heute der Gruppe anschließt. Am Vorabend hatte Ronny noch ein paar kleine Aufgaben verteilt, unter anderem die Höhle, nur mit Hilfe einer recht dürftigen Beschreibung, selber zu finden. Gar nicht so leicht wenn man es gewohnt ist, überall GPS gesteuert hinzukommen. Doch nach einigen Umwegen haben wir den Eingang zur „Tiefen Höhle“ endlich gefunden.

Auch bei der Auswahl der mitzunehmenden Ausrüstung, sind wir diesmal auf uns gestellt. Aus der Beschreibung konnten wir entnehmen, dass es an einer Stelle mehrere Meter in die Tiefe geht. Also sind Klettergurt, Seil und Aufstiegshilfe mit dabei. Für den Eingang gibt es zwei verschiedene Varianten. Entweder am Boden durch ein enges Loch kriechen, oder einen Kamin 2 Meter hochklettern und dann die Höhle betreten. Ich entscheide mich für die zweite Variante, da mir der Boden hier einfach zu nass ist.

Die Wegfindung ist diesmal zum Glück relativ einfach und so gelangen wir ohne große Probleme, zum fast tiefsten Punkt der Höhle. Durch einen sehr engen Durchschlupf geht es noch ein Stück tiefer hinein, aber da immer nur einer hinein und wieder heraus gelangen kann, verzichtet der Großteil der Gruppe auf die letzten Meter. Allerdings liegt dort noch der Geocache „Höhlen der Sächsischen Schweiz – Tiefe Höhle“ versteckt und diesen lasse ich mir auf keinen Fall entgehen!

Auf dem Weg hinaus wird es stellenweise recht eng, da eine weitere Gruppe die Höhle mittlerweile betreten hat. Auch haben wir uns für einen anderen Ausgang entschieden, wo noch mal all unsere akrobatischen Künste gefordert werden. Den restlichen Nachmittag verbringen wir wieder am Felsen und besteigen noch 2 weitere Gipfel, wobei Ronny vorsteigt und uns sicher nachholt. Denn das Klettern im Elbsandstein-Gebirge will schon geübt sein. Wenn man sieht, wie die Kletterer hier die Routen sichern, kann einem manchmal schon Angst und Bange werden.

Leider ist irgendwann auch mal die schönste Zeit vorbei und so heißt es für uns gegen 17:00 Uhr Abschied nehmen und wieder Richtung Berlin zu fahren. Einige aus der Gruppe bleiben noch ein wenig länger, um einen weiteren Gipfel zu erklimmen. Ein tolles Wochenende neigt sich dem Ende entgegen.

Leider gibt es nur wenige brauchbare Fotos in den Höhlen, aber das Video von Ronny, vermittelt einen sehr guten Eindruck, wie es dort unten aussieht. An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal Ronny, von „Natural Touring“ danken, der dieses großartige Erlebnis möglich gemacht hat!

3 Kommentare

  1. Hey „Jörg“ ;o)
    ein wirklich schöner,alles umfassender und besser nicht zu schreibender Bericht.
    Bin froh,unsere Tage so ausführlich noch einmal Revue passieren lassen zu können.
    Es war ein tolles Wochenende und Erlebnis mit allen daran Beteiligten.
    Sehr gerne würde ich mich freuen,wenn man sich bei einer weiteren Veranstaltung mal wieder begegnet und traumhafte wie interessante,gemeinsame Erfahrungen macht.
    Kann man jedem nur empfehlen und wünschen.
    Es grüßt ganz herzlich
    Der Martin

  2. Hey Ingo , auch ich habe gerade mit Begeisterung Deinen Blog gelesen . Das Wochenende mit euch allen hat mir sehr gut gefallen . Gerne wieder .

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